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Andacht für den 10. Mai mit Pastorin Martina Ulrich


Andacht vom 3. Mai - Pastor Gerson Seiß

Liebe Leserinnen und Leser dieses Sonntagsgrußes Ihrer Kirchengemeinde in der Gartenstadt!

Wir leben in ungewöhnlichen Zeiten, die geprägt sind vom Verlust unserer Normalität. Viele offene Fragen gibt es und auch Sorgen. Darum soll es gehen, um den Umgang mit Sorgen. Schon Jesus hat darüber zu den Menschen seiner Zeit gesprochen. Wir schauen auf biblische Worte aus Matthäus 6:

„Jesus stand auf und sprach zu den Menschen, die ihm zuhörten: „Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“

Sorget euch nicht – sagt Jesus – und verweist auf die Vögel, die weder säen noch ernten und doch Tag für Tag durch ihr Vogelleben kommen. Als ich gestern Vormittag in der Küche am Fenster stand und in den Vorgarten blickte, kam eine Amsel angeflogen. Sie trippelte mit steten, ruckartigen 90-Gradwendungen über den Rasen, hielt hier und da inne, pickte immer wieder im Gras herum und flog ein paar Minuten später wieder von dannen. Ein normaler Tag in einem Vogelleben – auch in Coronazeiten. Keine Spur irgendeiner Sorge – so schien es mir. Im Gegensatz zu uns Menschen leben Vögel buchstäblich in den Tag hinein, während wir über die Fähigkeit verfügen, unsere Vergangenheit zu reflektieren und gegenwärtiges Erleben für die Zukunft hochzurechnen.

In diesen besonderen Tagen und Wochen der Krise ist es genau dieses Hochrechnen gegenwärtigen Erlebens in die Zukunft, das uns alle – mehr oder weniger stark ausgeprägt – mit Sorge erfüllt. Sorge um Arbeitsplätze mit all den wirtschaftlichen und psychischen Folgen für einzelne Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die Gemeinschaften, in denen sie leben. Sorge um die Entwicklung von Kindern, in deren häuslicher Situation digitales Lernen kaum geordnet möglich ist und die den Verlust ihrer Normalität deutlich vermissen. Sorge um kranke und alleinstehende Menschen, deren soziale Netze, ehrenamtliche Betätigungen und Kontaktmöglichkeiten oftmals schwer beeinträchtigt bis unmöglich sind. Ja, und letztlich beschleicht so manchen Zeitgenossen vielleicht ganz grundsätzlich die Sorge, wie sich gesellschaftliches Leben zukünftig darstellen und gestalten lassen wird.

„Sorget euch nicht“, sagt Jesus. „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ Dieses Bild von den Vögeln legt dem Hörer eine gewisse Sorglosigkeit nahe. Tag für Tag einfach leben. Schlafen gehen im Vertrauen, dass auch am nächsten Morgen die Sonne wieder aufgeht. Und mit Dankbarkeit wahrnehmen, was jeder einzelne Tag bietet. Aber bedeutet solche Sorglosigkeit auch, die Hände einfach in den Schoß zu legen? Wenn man die Vögel beobachtet beim Nestbau und erst recht bei der Brutpflege, dann staunt man, welche Arbeitsleistung sie vollbringen.

Übertragen auf unser menschliches Leben kann man es vielleicht so formulieren: Carpe diem, nutze den Tag! Geh positiv gestimmt an deine Aufgaben, setze dir erreichbare Ziele, freue dich an dem, was möglich ist. Und vor allem: Hilf anderen, die es schwerer haben als du selbst, beim Tragen ihrer Lasten und bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen. So leben wir von Tag zu Tag und stärken uns gegenseitig im hoffnungsvollen Vertrauen, Gott wolle und werde inmitten aller Zerbrechlichkeiten auch zukünftig Leben schenken und bewahren.

Ich denke in diesen Tagen und Wochen gern an den so vielen Menschen vertrauten 23. Psalm, in dem es heißt:

„Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück. Denn du, Gott, bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

Gott bereitet uns einen Tisch im Angesicht der Feinde. Dahinter steht altes orientalisches Gastrecht. Wer bei einem Hausherrn mit am Tisch saß, bekam nicht nur etwas zu essen, sondern hatte auch Anspruch auf den Schutz des Hausherrn, Schutz im Angesicht der Feinde. Darauf möchte ich vertrauen, dass es nicht nur eine Zeit nach Corona geben wird in dem Sinn, dass wir zu einer neuen Normalität mit Corona finden, sondern ich möchte auch darauf vertrauen, dass die derzeitige Krise – wie alle Krisen – auch Chancen einer guten Weiterentwicklung beinhaltet. Menschen werden demütiger gegenüber der Unverfügbarkeit des Lebens. Eine gewisse Entschleunigung tut manch gehetztem Leben und der strapazierten Natur gut. Es rückt wieder mehr in den Fokus, was wirklich wichtig ist. Und die Menschen werden achtsamer im Umgang mit sich selbst anderen. Gott bereitet uns einen Tisch im Angesicht der Feinde.

Ich wünsche Ihnen von Herzen solches Vertrauen für Ihr eigenes Ergehen und für die Gesellschaft insgesamt.

Bleiben Sie behütet! Gerson Seiß


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